Rainald Baig-Schneider informierte im Rahmen einer Infoveranstaltung der FREIRAUM Akademie über die neuen Entwicklungen zu Qualitätssicherung rund um das Berufsbild des Erlebnispädagogen und der Erlebnispädagogin und wir möchten hier die Ergebnisse kurz zusammenfassen.

„Erlebnispädagoge“ nicht geschützt

Wie immer schon ist das Wort „Erlebnispädagoge“ in keiner Weise im deutschsprachigen Raum geschützt und es steht jedem und jeder frei, diese Berufsbezeichnung auf eine Visitenkarte zu drucken. Es gab ähnlich wie beim Begriff „Coaching“ mehrere Anläufe in Deutschland und in Österreich, das Berufsbild „Erlebnispädagogik“ zu beschreiben und Mindeststandards festzusetzen. Bis jetzt war jedoch keiner dieser Versuche erfolgreich. Erlebnispädagoge und Erlebnispädagogin be ist in dieser Branche somit einzigartig.

Rainald Baig-Schneider war auf der Suche nach einer Diskussionsplattform und hat diese beim Bundesverband Individual- und Erlebnispädagogik e.V. gefunden. Hier gab es die Möglichkeit, in inhaltlichen Austausch mit Fachkollegen zu treten und die verschiedenen Arbeitskreise waren und sind offen, daher ohne Mitgliedschaft besuchbar.  Natürlich waren die Fahrtzeiten ein gewisser Aufwand, aber in Österreich hat Rainald kein vergleichbares Angebot gefunden. Vor allem war ihm wichtig, dass das Berufsbild einen festeren Rahmen bekommt und sich damit auch eine Berufsidentität herausbildet.

Eine Berufsbild klingt ja danach, dass Strukturen geschaffen werden, die dann weniger Spielraum zulassen. Das Gegenteil ist für Rainald Baig-Schneider der Fall:   „Wenn ich danach gefragt werde, was ErlebnispädagogInnen machen, dann verweise ich gerne auf das Berufsbild, das der Verband 2015 verabschiedet hat. Da ist für mich wirklich alles drin. Und ich muss es auch nicht mehr aufwändig erklären.“

Neue Wortmarke – was bringt´s?

Die vom Bundesverband neu geschaffene Wortmarke „Erlebnispädagogin be®/ Erlebnispädagoge be®“ soll eine Qualitätsbezeichnung sein, die in der selben Stufe wie die Meisterprüfung eines Handwerks angesiedelt ist. Das ist nach dem deutschen Qualifikationsrahmen DQR die sechste Stufe von acht. Die siebente Stufe entspräche einem Master, die achte der Dissertation. An der hohen Einstufung ist auch schon zu sehen, wo die Wortmarke hin will: zu einer Meister-Bezeichnung, die nicht leicht zu bekommen sein soll und für die viel Praxiserfahrung zählt. Es reicht also nicht, einfach von einer Gruppe stehen zu können und das Spinnennetz anleiten zu können, sondern gefragt ist die volle Palette: Methoden mit neuen Inhalten bedenken, Seminare konzipieren, Gruppe leiten, Reflexionen anleiten und halten können, Transfergestaltung und nicht zuletzt Marketing und Verkauf von Angeboten. Das Ziel ist, ein Berufsbild zu etablieren und sichtbar zu machen.

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Freiraum Ausbildung entspricht

Die gute Nachricht für alle Absolventen und Absolventinnen des Outdoorlehrgangs von Freiraum ab 1997:  Die Ausbildung entspricht den Kriterien. Die schlechte Nachricht: Für alle, die ab und an erlebnispädagogisch arbeiten, wird es mit den nachzuweisenden Praxisstunden schnell mal knapp. Allerdings verweist Rainald Baig-Schneider darauf, dass auch er geglaubt hat, es würde knapp werden und wenn man sich wirklich hinsetzt und die Jobs der letzten Jahre durchschaut, dann summiert sich das.

Übergangsregelung für Ausbildungen vor 2015

Eine wichtige Unterscheidung gibt es auch hinsichtlich der nachzuweisenden Ausbildung: Alle Ausbildungen, die vor dem 1.1. 2015 begonnen haben, fallen in die Übergangsregelung. In diesen sind der Durchrechnungszeitraum für die Praxisstunden und auch die Zertifizierungskosten anders. Die Übergangsregelung soll es auch den langjährig in der Praxis stehenden ErlebnispädagogInnen, in denen es noch keine formulierten Standards gab, ermöglichen ihre Qualifikation darzustellen.

Ausbildungen ab 2015 – ab diesem Jahr sind die Standards für Ausbildungen in Kraft getreten – werden nach dem vorgegebene Anerkennungsverfahren beurteilt. Für beide gibt es die Möglichkeit, dass „fehlende Kriterien/Inhalte/Standards“ in „geeigneter Form von der antragsstellenden Person nachgewiesen“ werden. Damit wird im Antragsverfahren die Vielfältigkeit der erlebnispädagogischen Praxis entsprochen.

Wird diese Berufsbezeichnung Standard werden?

Derzeit sind etwa 20 Personen eingetragen, der aktuelle Stand mit Namen ist hier zu sehen. Das ist jetzt nicht gerade eine Massenbewegung. Allerdings muss man klar sehen, dass Standardisierungen ein unverkennbarer Trend sind und jede Förderstelle heilfroh ist, wenn sie mit ihren eigenen Richtlinien bei bereits bestehendem andocken kann. Und es gibt sonst nichts vergleichbares. Daher ist es durchaus naheliegend, davon auszugehen, dass über die Jahre die jetzt getroffenen Vorarbeiten zum Standard werden. Das kann dann durchaus schnell gehen, wenn große Institutionen aufspringen und beginnen, den Standard anzuerkennen. Schlussendlich ist die Bedeutung des Titels jene, die wir und die Gesellschaft ihm beimisst.

Aber wie immer bei neuem gilt: Pioniere haben das Risiko, dass der Titel sich nicht verbreitet, aber zugleich die Aussicht auf bessere Jobchancen und ein besseres Standing innerhalb der Branche durch einen frühen Erwerb des Titels.

Alle Infos zu  Erlebnispädagoge und Erlebnispädagogin be.

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Rainald Baig-Schneider arbeitet als Erlebnispädagoge beim Arbeitskreis Noah und ist zusätzlich selbständiger Erlebnispädagoge. Seit kurzem ist er einer der ersten Erlebnispädagogen be®.

 

 

 

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